Grußwort von Landrat Erich Pipa, 
   SPD, Main-Kinzig-Kreis 
   am 11.01.2010 im  Kiliansaal


Sehr geehrte Damen und Herren,

als Landrat des Main-Kinzig-Kreises habe ich mich bereits mehrfach und energisch gegen den Bau von neuen Spielhallen in den Städten und Gemeinden des Main-Kinzig-Kreises ausgesprochen und die verantwortlichen Bürgermeister und Gemeindevertreter gebeten, in ihren Städten und Gemeinden den Bau neuer Spielhallen zu verhindern.

Aus meiner Sicht steht die Errichtung von Spielhallen im klaren Widerspruch zu einer „familienfreundlichen Kommune“. Es muss daher im Interesse aller örtlichen Entscheidungsträger liegen, Spielhallen und Wettbüros ohne Kompromisse abzulehnen, um eine Gefährdung gerade von jungen Menschen auszuschließen.

Nach Schätzungen von Experten gibt es bundesweit bis zu 300.000 glücksspielsüchtige Bürgerinnen und Bürger, die überwiegende Mehrheit (rund 270.000 Personen) sind Männer, von denen wiederum mehr als 200.000 an den Geldspielautomaten hängen. Die Folgen unterschiedlicher Suchterkrankungen verursachen volkswirtschaftliche Kosten von rund 30 Milliarden Euro im Jahr. Eine Untersuchung der Deutschen Hauptstelle für Suchtberatung belegt außerdem den direkten Zusammenhang zwischen dem örtlichen Angebot und dem Auftreten eines problematischen Spielverhaltens.

Die Folgen sind spürbar. So musste der Suchthilfeverbund der Caritasverbände in Hessen im Sommer 2008 der wachsenden Problematik begegnen und zwei spezielle Beraterinnen für Glücksspielsucht einstellen. Auch die lokale Selbsthilfekontaktstelle in Gelnhausen reagierte auf die vermehrten Anfragen mit der Gründung einer neuen Gruppe. Dass die „Glücksspielsucht“ alles andere als harmlos ist, belegt auch die Tatsache, dass seit mehr als fünf Jahren das „Pathologische Glücksspielen“ von den Krankenkassen offiziell anerkannt wird. Und gerade die oft als unbedenklich eingestuften Geräte sind für 80 Prozent der Patienten die „Einstiegsdroge“ und bleiben das Hauptproblem. Die Kosten für Therapie und Suchtberatung sind enorm.

Doch die finanziellen Folgen sind nur die eine Seite, die sozialen Auswirkungen eine ganz andere. Die Glücksspielsucht ändert die Persönlichkeit des Betroffenen, die Sucht nach dem Spiel rückt in den Lebensmittelpunkt, alle anderen Bedürfnisse und Interessen treten in den Hintergrund. Soziale Kontakte dienen häufig nur noch der Geldbeschaffung, die Beziehung zur Familie, zu Freunden und Bekannten, wird stark belastet. Der Leidensdruck für alle Beteiligten ist erheblich. Ein Ausstieg ist oft nur mit professioneller Heilung möglich. Doch dafür muss der Betroffene das Elend seiner Situation zunächst selbst erkennen.

Aus diesem Grund bin ich dafür, mit der Prävention so früh wie möglich zu beginnen. Menschen vor Ort können in ihrer Gemeinde Politik gestalten. Und zu dieser Gestaltung gehört es für mich auch, Spielhallen in den Städten und Gemeinden nicht zuzulassen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Erich Pipa

Landrat des Main-Kinzig-Kreises