Sehr geehrte
Damen und Herren,
als Landrat des Main-Kinzig-Kreises habe ich mich bereits mehrfach
und energisch gegen den Bau von neuen Spielhallen in den Städten
und Gemeinden des Main-Kinzig-Kreises ausgesprochen und die
verantwortlichen Bürgermeister und Gemeindevertreter gebeten, in
ihren Städten und Gemeinden den Bau neuer Spielhallen zu
verhindern.
Aus meiner Sicht steht die Errichtung von Spielhallen im klaren
Widerspruch zu einer „familienfreundlichen Kommune“. Es muss
daher im Interesse aller örtlichen Entscheidungsträger liegen,
Spielhallen und Wettbüros ohne Kompromisse abzulehnen, um eine
Gefährdung gerade von jungen Menschen auszuschließen.
Nach Schätzungen von Experten gibt es bundesweit bis zu 300.000
glücksspielsüchtige Bürgerinnen und Bürger, die überwiegende
Mehrheit (rund 270.000 Personen) sind Männer, von denen wiederum
mehr als 200.000 an den Geldspielautomaten hängen. Die Folgen
unterschiedlicher Suchterkrankungen verursachen
volkswirtschaftliche Kosten von rund 30 Milliarden Euro im Jahr.
Eine Untersuchung der Deutschen Hauptstelle für Suchtberatung
belegt außerdem den direkten Zusammenhang zwischen dem örtlichen
Angebot und dem Auftreten eines problematischen Spielverhaltens.
Die Folgen sind spürbar. So musste der Suchthilfeverbund der
Caritasverbände in Hessen im Sommer 2008 der wachsenden
Problematik begegnen und zwei spezielle Beraterinnen für Glücksspielsucht
einstellen. Auch die lokale Selbsthilfekontaktstelle in Gelnhausen
reagierte auf die vermehrten Anfragen mit der Gründung einer
neuen Gruppe. Dass die „Glücksspielsucht“ alles andere als
harmlos ist, belegt auch die Tatsache, dass seit mehr als fünf
Jahren das „Pathologische Glücksspielen“ von den
Krankenkassen offiziell anerkannt wird. Und gerade die oft als
unbedenklich eingestuften Geräte sind für 80 Prozent der
Patienten die „Einstiegsdroge“ und bleiben das Hauptproblem.
Die Kosten für Therapie und Suchtberatung sind enorm.
Doch die finanziellen Folgen sind nur die eine Seite, die sozialen
Auswirkungen eine ganz andere. Die Glücksspielsucht ändert die
Persönlichkeit des Betroffenen, die Sucht nach dem Spiel rückt
in den Lebensmittelpunkt, alle anderen Bedürfnisse und Interessen
treten in den Hintergrund. Soziale Kontakte dienen häufig nur
noch der Geldbeschaffung, die Beziehung zur Familie, zu Freunden
und Bekannten, wird stark belastet. Der Leidensdruck für alle
Beteiligten ist erheblich. Ein Ausstieg ist oft nur mit
professioneller Heilung möglich. Doch dafür muss der Betroffene
das Elend seiner Situation zunächst selbst erkennen.
Aus diesem Grund bin ich dafür, mit der Prävention so früh wie
möglich zu beginnen. Menschen vor Ort können in ihrer Gemeinde
Politik gestalten. Und zu dieser Gestaltung gehört es für mich
auch, Spielhallen in den Städten und Gemeinden nicht zuzulassen.
Mit freundlichen Grüßen,
Erich Pipa
Landrat des Main-Kinzig-Kreises
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